En détail

Zielgruppe: Pädagogisches Fachpersonal aus dem Bereich AEF

 

Schulungsbeschreibung : 

Dreiteilige Weiterbildungsreihe

Seminar 1: Das sozial-emotionale Handicap („Junge Wilde & Co“): Ursachen – Erscheinungsformen – Betreuungsbedarf 

Seminar 2: Aggression und Anpassungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen: Die Folgen unzureichender Bindung – Lösungsvorschläge 

Seminar 3: Kontaktaufbau und Bindungsentwicklung bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit sozial-emotionalen Beeinträchtigungen: Effektiv handeln bei massiven Störungen der Stressregulation

Die pädagogische Arbeit in der Jugendhilfe wandelt sich aktuell deutlich.

Eine der wesentlichen Ursachen hierfür ist die steigende Zahl von Kindern und Jugendlichen, die durch starke Reifeverzögerungen, massive Bindungsprobleme und deutliche Beeinträchtigungen in der Persönlichkeitsentwicklung auffallen und die pädagogischen Fachkräfte vor große fachliche und menschliche Herausforderungen stellen.

Die zugrunde liegenden Entwicklungsstörungen scheinen so gravierend zu sein, dass die üblichen pädagogischen Mittel vielfach an ihre Grenzen stoßen.

Daher sind zwei Fragestellungen für die Praxis zentral:

  • Wie ist das zugrundeliegende Geschehen zu verstehen?
  • Welche Hilfen und Zugangsweisen sind erfolgversprechend und wieso empfehlen sich einige weniger oder gar nicht?

Hierzu soll eine dreiteilige Seminarreihe umfassend Auskunft geben.

Gegliedert ist die Seminarfolge in zwei Seminare mit den Schwerpunkten „Verstehen und pädagogische Zugänge“ sowie ein Seminar mit dem Schwerpunkt „Herangehensweisen – Werkzeuge“. Drei eintägige Einheiten zur „Fallreflektion / Supervision“ sichern den Praxistransfer.

In den Einheiten zur Praxisreflektion können die Teilnehmer*innen Fälle aus der eigenen beruflichen Praxis mit Bezug zur Themenstellung und Fragen zur Umsetzung bearbeiten. Die Einheiten sind jeweils eintägig und finden mit maximal 8 Teilnehmer*innen statt.

 

Ziele und zu erwerbende Kompetenzen : 

  • Seminar 1: Das sozial-emotionale Handicap („Junge Wilde & Co“): Ursachen – Erscheinungsformen – Betreuungsbedarf
    • Im Seminar wird unter Einbezug aktueller Erkenntnisse der sozialen Neurowissenschaften zunächst verstehbar gemacht, worin die Ursachen der blockierten Entwicklung in der Emotionskontrolle und im Sozialverhalten bestehen.
    • Anschließend stellen wir dar, wie typische im Alltag zu beobachtende Äußerungsformen (Aggression, Fluchtverhalten, fehlendes Einfühlungsvermögen) richtig einzuordnen sind, wie der Betreuungsbedarf zu bestimmen ist, wie eine passende Entwicklungsplanung entsteht und wie im Rahmen eines mehrstufigen Betreuungsansatzes angemessene Interventionen aussehen können.
    • Es wird darüberhinaus gezeigt, welche institutionellen Rahmensetzungen notwendig sind und welche besonderen Anforderungen an Bezugsbetreuung und Teamarbeit bestehen. 
  • Seminar 2: Aggression und Anpassungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen: Die Folgen unzureichender Bindung – Lösungsvorschläge
    • Im Seminar wird zunächst vorgestellt, was sich (u.a. aus Sicht des Gehirns) hinter dem Phänomen der Bindung verbirgt, welchen Beitrag Bindung für eine gelingende Reifentwicklung bei Kindern leistet und mit welchen Komplikationen zu rechnen ist, wenn Kinder keine ausreichenden Bindungen zu erwachsenen Personen entwickeln konnten.
    • In einem weiteren Schritt wird gezeigt welches Störungsgeschehen resultieren kann, wenn notwendige Entwicklungsvoraussetzungen nicht gegeben sind oder spezifische familiäre Komplikationen vorliegen und wie schließlich hieraus aggressives Verhalten wird.
    • Die Teilnehmer*innen erfahren wie sich – hiervon ausgehend – pädagogische Maßnahmen begründen lassen, die nicht am „Erwünschten“, sondern am „persönlich Möglichen“ der Betroffenen orientiert sind, so dass Überforderung und damit weitere Aggression vermieden werden können.
  • Seminar 3: Kontaktaufbau und Bindungsentwicklung bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit sozial-emotionalen Beeinträchtigungen: Effektiv handeln bei massiven Störungen der Stressregulation
    • Im Seminar lernen die Teilnehmer*innen über das Konzept der systemischen Stressregulation(IsyS) Techniken kennen, mit deren Hilfe es gelingt, möglichst rasch Bindung zu Personen mit einem sozial-emotionalen Handicap aufzubauen und damit eine Brücke zwischen unbewussten Vorgängen und bewusster Verarbeitung zu schlagen, um so positiv auf die „entgleiste“ Verhaltenssteuerung Einfluss zu nehmen.
    • Zu den vorgestellten Methoden gehören: 
      • körperorientierte Verfahren, die eingesetzt werden, um über basale Kommunikationswege Bindung aufzubauen, eine unmittelbare Absenkung von Erregungszuständen zu bewirken, aber auch langfristig das Nervensystem zu beruhigen und begleitende körperliche Auswirkungen der Regulationsstörung positiv zu beeinflussen.
      • handlungsorientierte Verfahren, die darauf ausgerichtet sind mittelbar handlungsgeleitet Impulse in positive Bahnen zu lenken, mit dem Ziel Selbstwert zu steigern und langfristig vermehrt den Prozess eigenständiger Lösungsfindung anzubahnen.
      • Gemeinsam mit den Teilnehmer*innen wird die Einbindung der Verfahren in deren jeweiligen Arbeitsfelder und Institutionen erarbeitet. Anhand konkreter Fallbeispiele wird die Planung, Vorbereitung und Durchführung der Verfahren durchgespielt.

 

KLAES Winfried

Diplompsychologe, Supervisor, Familientherapeut, ifkp-KLAES – Institut für Konstruktive Psychologie

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