En détail

Pflegeeltern können für die von ihnen im Rahmen der Jugendhilfe betreuten Kinder und Jugendlichen wichtige Bezugspersonen werden, insbesondere dann, wenn es ihnen gelingt, eine andere Art von Familienleben zu praktizieren, ohne dabei allerdings die Herkunftsfamilie auszugrenzen. Das ist eine unserer wichtigsten Erkenntnisse zum Gelingen von Pflegeverhältnissen und zur Förderung von Identitätsbildungsprozessen bei Pflegekindern. In den Jahren 2001 bis 2005 haben wir an der Universität Jena im Rahmen zweier Forschungsarbeiten erstmalig im deutschsprachigen Raum das Zusammenleben in Pflegefamilien sowie die langfristige biografische Entwicklung von Pflegekindern fallrekonstruktiv untersucht. Die beiden zentralen Ziele bestanden darin, zum einen biografische Verläufe von Pflegekindern ab deren Geburt bis ins Erwachsenenalter detailliert nachzuzeichnen und zum anderen herauszuarbeiten, welche Bedingungen die Identitätsbildung besonders geprägt und welche Bedeutung die Pflegeeltern dabei als bedeutsame Bezugspersonen außerhalb des Herkunftsfamiliensystems gespielt haben. Inwieweit haben sie maßgeblich die Entwicklung der heute erwachsenen und selbständigen Pflegekinder gefördert? Im Zusammenhang mit diesen Forschungsprojekten sind sehr facettenreiche Fallgeschichten entstanden, die u. a. im Rahmen dieser Fortbildung vorgestellt werden.

Ziele und zu erwerbende Kompetenzen
Vertiefendes Verständnis für die Chancen der Unterbringung in Pflegefamilien, die Pflegekindern, trotz deren prekärer Ausgangslagen, zu einem selbständigen Leben verhelfen können.
Einblick in sozialisatorische Konstellationen, die das Aufwachsen von Kindern zwischen zwei Familiensystemen (Herkunfts- und Pflegefamilie) fördern.
Pflegeverhältnisse aus der Perspektive von ehemaligen Pflegekindern.
Schlussfolgerungen aus den fallübergreifenden Ergebnissen für die Gestaltung von Pflegeverhältnissen und den Umgang mit Krisen.

Methoden
Präsentation von Auszügen aus Fallmonografien der Pflegekinder, einschließlich der Bedeutung und Rolle von Pflege- und Herkunftseltern. Zu einem Fall gehören neben dem ehemaligen Pflegekind die letzte Pflegefamilie; gelegentlich konnten wir zusätzlich Interviews mit Mitgliedern des Herkunftskontextes (z. B. Eltern, Großeltern, Geschwistern) und anderen zentralen Bezugspersonen der Kindheit und Jugend führen. Damit kann zu einem differenzierteren Verständnis der komplizierten Prozesse des Aufwachsens und der Identitätsbildung in Pflegefamilien beigetragen werden. Darüber hinaus ist es auch ein Anliegen, gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf der Grundlage ihrer Erfahrungen über mögliche neue Wege der Zusammenarbeit nachzudenken.

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