Im Detail

Viele der Verhaltensweisen, mit denen Kinder und Jugendliche auf Traumatisierungen reagieren, sind für ihr Umfeld mitunter schwer nachvollziehbar und manchmal auch belastend.

Forschungserkenntnisse aus Psychotraumatologie und Hirnforschung ermöglichen uns heute ein professionelles Verständnis der Auswirkungen von psychischen Traumata auf die Entwicklung und Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen.

Traumapädagogik bietet eine Vielfalt an Möglichkeiten zur Förderung des Selbstverstehens, der Emotionsregulation, der physischen und psychischen Widerstandsfähigkeit (Resilienz), sowie der Partizipation. Die traumapädagogische Grundhaltung beinhaltet ein aus fachlicher Sicht verändertes Verständnis von Gruppenprozessen und Gruppendynamik, von haltgebenden Strukturen, bindungsförderndem Verhalten und Stabilisierung, sowie auch von der Zusammenarbeit mit dem familiären Umfeld.

Es ist das Anliegen von SOS Kannerduerf Lëtzebuerg, Menschen die in ihrem beruflichen und privaten Alltag traumatisierten Kindern und Jugendlichen begegnen, wie Erzieher, Sozialarbeiter, Lehrer, Krankenpfleger, Pflege- oder Adoptiveltern, Ärzte, Polizisten, Juristen etc., neue Handlungsmöglichkeiten aufzuweisen.


29.11.2021: Unsichtbare Erinnerungen

Am ersten Tag befassen wir uns mit der Bedeutung transgenerationaler Traumaweitergabe in der pädagogischen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, und deren Familien.

Transgenerationale Traumata sind Traumata bei denen Erleben und Symptome ungefiltert / unbearbeitet von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. Dabei geht es um Kriegserlebnisse, Erfahrungen von Folter, Verfolgung oder Flucht, Vernachlässigungs- oder Trennungserfahrungen, Erlebnisse sexueller Gewalt oder emotionaler / physischer Misshandlung. Bei dieser sogenannten « sekundären » Traumatisierung entwickeln die Kinder Traumasymptome ohne eigene auslösende Erlebnisse, aufgrund ihrer engen Beziehung und dem Zusammenleben mit den traumatisierten Eltern.

 

Die Konferenzsprache ist Deutsch, mit Simultanübersetzung in Französisch.

Referenten Wilma WEISS und Jacob BAUSUM

 

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30.11.2021: Ist Trauma ansteckend?

Am zweiten Tag befassen wir uns mit den unzähligen Umständen, in denen Kinder traumatisiert werden können: vorsätzliche oder unbeabsichtigte Ereignisse, häusliche oder äußere Gewalt, bekannte oder unbekannte Täter, Vorhandensein oder Fehlen von Geschwistern, Alter und Entwicklungsstand des Kindes…

Für Fachleute, die in solchen Situationen intervenieren, ist die Betreuung besonders sensibel, da sie dadurch mit Themen wie Grenzüberschreitungen, ihrer eigenen Beziehung zum Kind, zu Autorität, Gewalt, Sexualität, Familie und Recht konfrontiert werden. Solche Situationen können zu massiven Abwehrreaktionen führen, die das Kind dem Risiko aussetzen, nicht geschützt zu werden (durch Verleugnung, Ablehnung, projektive Identifikation, Verharmlosung usw.), aber auch einen Leidensdruck bei den Professionellen zur Folge haben können (berufliche Erschöpfung, sekundäres Trauma). Werden die betroffenen Dienste auf institutioneller Ebene nicht unterstützt, geht der daraus resultierende Zerfall von institutionellen Bindungen oft einher mit erheblichem Leiden auf Teamebene. Solch traumatischen Kontaminationseffekte sind unvermeidlich, können aber eingedämmt und begrenzt werden.

 

Die Konferenzsprache ist Französisch, mit Simultanübersetzung in Deutsch.

Referentin Dr. Hélène ROMANO

 

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